Aktuelles · 14. August 2026
Die Miete steigt. Die Rate nicht.
In anderen Ländern ist Eigentum selbstverständlich, bei uns gilt es fast als Luxus. Dabei liegt der eigentliche Unterschied nicht im Monat des Kaufs, sondern in dem, was zwanzig Jahre später übrig ist.
Sören Kämmerling Markt
Neulich saß ein Paar bei mir, das 2.300 Euro Miete zahlt. Für 95 Quadratmeter mit Tiefgarage. Der Mann erzählte, wie er vor knapp zwanzig Jahren gewohnt hat: 70 Quadratmeter, 500 Euro. Seine Miete hat sich in dieser Zeit also mehr als vervierfacht. Sein Vermögen ist nicht mitgewachsen. Das seines Vermieters schon.
Das ist der Punkt, den ich in fast jedem Gespräch erkläre. Eine Miete kennt über die Jahre nur eine Richtung. Eine Rate steht fest, solange die Zinsbindung läuft — und irgendwann hört sie ganz auf. Wer heute 2.300 Euro Miete zahlt, zahlt in fünfzehn Jahren womöglich dreitausend. Wer heute 2.300 Euro Rate zahlt, zahlt in fünfzehn Jahren immer noch 2.300 — und danach nichts mehr.
Damit das nicht zu glatt klingt: Kaufen ist deshalb nicht automatisch richtig. Die Rate muss auch dann tragen, wenn ein Einkommen wegfällt oder das Dach undicht wird, und die Nebenkosten kommen zusätzlich aus dem Ersparten. Es gibt Situationen, in denen wir ausdrücklich abraten — davon haben wir einen Fall aufgeschrieben.
Was mich stört, ist etwas anderes: dass bei vielen gar nicht erst gerechnet wird. Die Frage ist selten, ob jemand es sich leisten kann. Die Frage ist meistens, ob es einmal jemand ehrlich durchgerechnet hat.
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